Inhalt
Der mittelalterliche Ritter-Roman, in Reimen geschrieben
wie um 1200 üblich, ist eine köstliche Parodie auf zahlreiche
mittelalterliche Romane, u.a. das Nibelungenlied, Parzival, Tristan
und Isolde, Willehalm, Beowulf uvm. Wie die alten Ritter kämpfen
die Brüder Wolfgang und Walther gegen einen bösen Feind; Drachen,
schöne Frauen, Intrigen bei Hofe, Familienzwiste, Ritterturniere
und vieles mehr runden das "mittelalterliche" Bild ab. Doch
nicht nur das: etwas ganz Besonderes ist diese Satire auch aus einem
anderen Grund. Wie in der Germanistik üblich, ist dieses mittelalterliche
Werk von einer Forscherin herausgegeben, die Anmerkungen dazu macht.
Und hier spiegelt sich eine Satire der ganz eigenen Art wider: in treffender
und bislang einzigartiger Weise wird dabei die Arbeit der Mittelalter-Forschung
karikiert. Die "Literatur-Forscher" streiten über Zuordnung
der Überlieferung, über Motive aus dem Text, Reime, Stil,
Figuren und, und, und. Der renommierte Salzburger Mediävist Prof.
Dr. Ulrich Müller, ein bekennender Fan des Romans, schrieb das
Nachwort.
Pressestimmen
Prof. Dr. Rüdiger Krohn, Badischer
Kurier (10.9.2003):
"Der amüsante Band kommt daher wie die seriöse Edition
einer mittelalterlichen Handschrift, und das 'Bannerträger'-Epos
selbst, dem die peniblen philologischen Bemühungen gelten, wirkt
mit seinen 6493 gereimten Versen, überaus gelehrten Kommentaren
und reichen Beigaben wie eine mutige Ausgrabung, die alle Regeln wissenschaftlicher
Kunst befolgt und die Begegnung mit einem versunkenen Schatz altdeutscher
Dichtung verheißt. Irrtum. Das ganze Ding ist eine flotte Fälschung.
Das mindert keineswegs die Unterhaltsamkeit des Werkes, das virtuos
mit den Registern höfischer Epik spielt und in dem sich die ganze
Palette mittelalterlicher Literatur wieder findet. Vielmehr entfaltet
der liebevoll gemachte, mit angeblichen Faksimiles ausgestattete Band
in seinem virtuosen Spiel mit einschlägigen Klischees und Versatzstücken
der Tradition einen eigentümlichen Reiz, in dem die Lust an der
Persiflage von Wissenschaft und Poesie ebenso wirksam wird wie die üppige
Belesenheit der 'Herausgeberin' Weiß, die tatsächlich auch
die Autorin des Ganzen ist. Dass der Abenteuer- und Minneroman um die
wacheren Brüder Walther und Wolfgang in den Handschriften sogleich
in neuhochdeutscher Übersetzung überliefert wird, darf dabei
ebenso wenig verwundern wie der groteske altgermanistische Forschungsaufwand,
der hier um ein offenkundig grausig triviales Werk getrieben wird. Und
wenn der literarische Jux überhaupt beeinträchtigt wird, dann
durch die unsägliche Reimerei des Textes selbst, der das parodistische
Niveau von Pennälerdichtung bisweilen kaum erreicht. Aber das ist
wohl Teil der Karikatur."
Karfunkel, Zeitschrift für
erlebbare Geschichte (April/Mai 2004):
"Für alle geeignet, die Heldenepen in Reimgestalt lieben und
sich gern über die Mediävistik amüsieren wollen"
Weitere Informationen
Worum geht´s in diesem Ritterepos?
Das Epos erzählt in sechs Teilen die Geschichte der ungleichen
Brüder Wolfgang und Walther, die unabhängig voneinander gegen
denselben grausamen Feind kämpfen. Wolfgang ist ein großer
Ritterheld, Walther ein passionierter Dichter. Beide sind die Neffen
des schwachen Königs Dieter, dessen Reich von Fafnimar, dem Herrn
der Nacht, und seinen „Bannerträgern“ heimgesucht wird.
Die weiteren Probleme und Problemchen aus dem familiären, gesellschaftlichen,
politischen und literarischen Umfeld der Brüder sind vielschichtig;
intrigante Frauen, ungehorsame kleine Schwestern, dem Liebeswahn verfallene
Ritter, verkappte Magier und anmutige Elfen sind eine Auswahl derer,
die hier die Weichen stellen. Am Ende steht die Versöhnung der
Brüder, die Abwehr der Bedrohung und die Aussicht auf ein friedliches
Nebeneinander von Rittertaten und Literaturförderung.
Anspielungen im Text – Parodie und Hommage
Das Epos ist in rund 6.500 Versen überliefert, die sich paarweise
reimen, so wie es in der deutschen mittelalterlichen Helden- und Ritterepik
um 1200 üblich war. Im Verstext finden sich das „Nibelungenlied“,
der „Parzival“ und „Willehalm“, „Tristan
und Isolde“, „Erec“ und „Iwein“, aber
auch der altenglische „Beowulf“, keltische und skandinavische
Heldensagen und der mittelhochdeutsche Minnesang. (Und wer genau liest,
kann auch Goethe und Tolkien wieder finden.) Aber Bannerträger
der Nacht ist mehr als eine Parodie – es ist Hommage an zwei herausragende
mittelalterliche Dichter: an Wolfram von Eschenbach und Walther von
der Vogelweide.
Die literarische Forschung streitet munter
So wie in der Germanistik üblich, ist das mittelalterliche Versepos
Bannerträger der Nacht von einer Forscherin „herausgegeben“.
Der Epentext ist eingebettet in Vorwort, Nachwort, Literaturliste, Abbildungen
„alter“ Handschriften, textkritischem Apparat mit Kommentar
und Anmerkungen. Während der Text selbst auf zahlreiche mittelalterliche
Helden- und Ritterepen anspielt, sie mitunter köstlich parodiert,
so karikiert die Herausgeberfiktion die Arbeit der Mittelalterforschung
in treffender – und bisher einzigartiger – Art und Weise.
Die Herausgeberfiktion gibt Auskunft darüber, wie sich die Forschung
bislang mit dem Epos und der Dichterin beschäftigt hat. Die Forscher
streiten über Zuordnung der handschriftlichen Überlieferung,
über Motive aus dem Text, über Reimgestalt, Stil, Darstellung
der Figuren, Herkunft der Dichterin und, und, und...