Tanja von dem Rübenberge

Bannerträger der Nacht
(2003)

 

Preis (D): 14,80 €
ISBN: 978-3-936788-02-0
Hardcover, 288 Seiten

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Inhalt

Der mittelalterliche Ritter-Roman, in Reimen geschrieben wie um 1200 üblich, ist eine köstliche Parodie auf zahlreiche mittelalterliche Romane, u.a. das Nibelungenlied, Parzival, Tristan und Isolde, Willehalm, Beowulf uvm. Wie die alten Ritter kämpfen die Brüder Wolfgang und Walther gegen einen bösen Feind; Drachen, schöne Frauen, Intrigen bei Hofe, Familienzwiste, Ritterturniere und vieles mehr runden das "mittelalterliche" Bild ab. Doch nicht nur das: etwas ganz Besonderes ist diese Satire auch aus einem anderen Grund. Wie in der Germanistik üblich, ist dieses mittelalterliche Werk von einer Forscherin herausgegeben, die Anmerkungen dazu macht. Und hier spiegelt sich eine Satire der ganz eigenen Art wider: in treffender und bislang einzigartiger Weise wird dabei die Arbeit der Mittelalter-Forschung karikiert. Die "Literatur-Forscher" streiten über Zuordnung der Überlieferung, über Motive aus dem Text, Reime, Stil, Figuren und, und, und. Der renommierte Salzburger Mediävist Prof. Dr. Ulrich Müller, ein bekennender Fan des Romans, schrieb das Nachwort.

 

Pressestimmen

Prof. Dr. Rüdiger Krohn, Badischer Kurier (10.9.2003):
"Der amüsante Band kommt daher wie die seriöse Edition einer mittelalterlichen Handschrift, und das 'Bannerträger'-Epos selbst, dem die peniblen philologischen Bemühungen gelten, wirkt mit seinen 6493 gereimten Versen, überaus gelehrten Kommentaren und reichen Beigaben wie eine mutige Ausgrabung, die alle Regeln wissenschaftlicher Kunst befolgt und die Begegnung mit einem versunkenen Schatz altdeutscher Dichtung verheißt. Irrtum. Das ganze Ding ist eine flotte Fälschung. Das mindert keineswegs die Unterhaltsamkeit des Werkes, das virtuos mit den Registern höfischer Epik spielt und in dem sich die ganze Palette mittelalterlicher Literatur wieder findet. Vielmehr entfaltet der liebevoll gemachte, mit angeblichen Faksimiles ausgestattete Band in seinem virtuosen Spiel mit einschlägigen Klischees und Versatzstücken der Tradition einen eigentümlichen Reiz, in dem die Lust an der Persiflage von Wissenschaft und Poesie ebenso wirksam wird wie die üppige Belesenheit der 'Herausgeberin' Weiß, die tatsächlich auch die Autorin des Ganzen ist. Dass der Abenteuer- und Minneroman um die wacheren Brüder Walther und Wolfgang in den Handschriften sogleich in neuhochdeutscher Übersetzung überliefert wird, darf dabei ebenso wenig verwundern wie der groteske altgermanistische Forschungsaufwand, der hier um ein offenkundig grausig triviales Werk getrieben wird. Und wenn der literarische Jux überhaupt beeinträchtigt wird, dann durch die unsägliche Reimerei des Textes selbst, der das parodistische Niveau von Pennälerdichtung bisweilen kaum erreicht. Aber das ist wohl Teil der Karikatur."

Karfunkel, Zeitschrift für erlebbare Geschichte (April/Mai 2004):
"Für alle geeignet, die Heldenepen in Reimgestalt lieben und sich gern über die Mediävistik amüsieren wollen"

 

Weitere Informationen

Worum geht´s in diesem Ritterepos?
Das Epos erzählt in sechs Teilen die Geschichte der ungleichen Brüder Wolfgang und Walther, die unabhängig voneinander gegen denselben grausamen Feind kämpfen. Wolfgang ist ein großer Ritterheld, Walther ein passionierter Dichter. Beide sind die Neffen des schwachen Königs Dieter, dessen Reich von Fafnimar, dem Herrn der Nacht, und seinen „Bannerträgern“ heimgesucht wird. Die weiteren Probleme und Problemchen aus dem familiären, gesellschaftlichen, politischen und literarischen Umfeld der Brüder sind vielschichtig; intrigante Frauen, ungehorsame kleine Schwestern, dem Liebeswahn verfallene Ritter, verkappte Magier und anmutige Elfen sind eine Auswahl derer, die hier die Weichen stellen. Am Ende steht die Versöhnung der Brüder, die Abwehr der Bedrohung und die Aussicht auf ein friedliches Nebeneinander von Rittertaten und Literaturförderung.

Anspielungen im Text – Parodie und Hommage
Das Epos ist in rund 6.500 Versen überliefert, die sich paarweise reimen, so wie es in der deutschen mittelalterlichen Helden- und Ritterepik um 1200 üblich war. Im Verstext finden sich das „Nibelungenlied“, der „Parzival“ und „Willehalm“, „Tristan und Isolde“, „Erec“ und „Iwein“, aber auch der altenglische „Beowulf“, keltische und skandinavische Heldensagen und der mittelhochdeutsche Minnesang. (Und wer genau liest, kann auch Goethe und Tolkien wieder finden.) Aber Bannerträger der Nacht ist mehr als eine Parodie – es ist Hommage an zwei herausragende mittelalterliche Dichter: an Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide.

Die literarische Forschung streitet munter
So wie in der Germanistik üblich, ist das mittelalterliche Versepos Bannerträger der Nacht von einer Forscherin „herausgegeben“. Der Epentext ist eingebettet in Vorwort, Nachwort, Literaturliste, Abbildungen „alter“ Handschriften, textkritischem Apparat mit Kommentar und Anmerkungen. Während der Text selbst auf zahlreiche mittelalterliche Helden- und Ritterepen anspielt, sie mitunter köstlich parodiert, so karikiert die Herausgeberfiktion die Arbeit der Mittelalterforschung in treffender – und bisher einzigartiger – Art und Weise.

Die Herausgeberfiktion gibt Auskunft darüber, wie sich die Forschung bislang mit dem Epos und der Dichterin beschäftigt hat. Die Forscher streiten über Zuordnung der handschriftlichen Überlieferung, über Motive aus dem Text, über Reimgestalt, Stil, Darstellung der Figuren, Herkunft der Dichterin und, und, und...